Neben den großen Big-Playern wie „Assassins Creed“ oder „Far Cry“ wird „Watch Dogs“ leider gerne mal übersehen. Dabei hält „Watch Dogs“ eine spannende Geschichte und eine beeindruckende Open World für euch bereit.

„Watch Dogs“ ist leider weder überragend gut, noch schlecht und gerät meiner Meinung nach gerade deswegen ins Hintertreffen. Denn ich habe das Gefühl, dass wenn das Spiel nicht irgendeinen Shitstorm auslöst oder irgendwie im Vorfeld extrem gehyped wurde, es schnell das Interesse der Spieler verliert. Doch das könnte in diesem Fall die falsche Entscheidung der Spieler sein, denn „Watch Dogs Legion“ hat einiges zu bieten.

Euch stehen alle Möglichkeiten offen. So könnt ihr euch eine Truppe aus professionellen Hackern und Spezialisten zusammenstellen, aber auch genauso gut mit der absoluten Gurkentruppe aus alten Omas, Säufern, Punks und Spielsüchtigen für jede Menge Unheil auf Londons Straßen sorgen. Ubisoft hat damit ein völlig neues Konzept entwickelt und die Ideen in „Watch Dogs Legion“ sind neu und innovativ. Wir werfen ein Blick darauf, ob das reicht, um eine spannende Open World zu erschaffen.

Die Stärken und Schwächen der Story

Die Story hat sowohl ihre Stärken als auch Schwächen. Sie ist an sich sehr spannend und abwechslungsreich inszeniert. So haben wir mit dem Militärkonzern Albion, dem Verbrecher-Clan der Kelleys und dem Hacker Zero Day potenziell drei mächtige Feinde, die wir bekämpfen müssen.

In deren Machenschaften werden wir auch von Anfang an hineingezogen. Denn Zero Day verübt mehrere Bombenanschläge in London und hängt sie unserer Hackergruppe Dedsec an. Clan Kelley treffen wir im weiteren Verlauf der Geschichte. Sie betreiben Menschen- und Organhandel und entführen einen Freund von uns. Und dann wäre da noch Albion. Der Militärkonzern, der die Sicherheit Londons übernommen hat und Jagd auf uns als angebliche Terroristen macht. In Wahrheit unterdrücken sie aber auf brutalste Weise die Bevölkerung Londons.

Jeder der Gegner hat einen separaten Handlungsstrang, der einen Rahmen von etwa 20 Stunden abdeckt. Die Storys werfen aber auch einige Fragen auf, ohne Antworten zu liefern und so liegt es beim Spieler selbst, seine Wahrheit zu finden.

Watch Dogs Legion: Zero Day

Kommen wir nun zu den Schwächen. Das sind ganz klar unsere Helden, denn sie spiegeln leider die dystopische Stimmung der Geschichte nicht wieder. Das liegt vor allem daran, dass ihnen die Persönlichkeit und persönlichen Ziele fehlen. Wenn man nur eine Hauptfigur hat, kann man viel besser ihre Motivation und ihr Handeln nachvollziehen. In „Watch Dogs Legion“ haben wir jedoch durch die Möglichkeit, theoretisch jeden rekrutieren zu können, keinen richtigen Bezug zu den Personen. Auch untereinander in den Dialogen und voll vertonten Zwischensequenzen wird dies klar, da die Sätze sehr generisch und nicht immer passend klingen.

Ausnahmen gibt es dennoch: So sind gerade Dialoge mit der Dedsec-KI Bagley durchaus unterhaltsam und sein spöttischer Sarkasmus hat für so manchen Lacher gesorgt. Alleine die Begrüßung, wenn man Begley das erste Mal trifft, ist äußerst amüsant. „Hallo, ich bin Bagley, Dedsecs definitiv nicht gestohlene, fortschrittliche KI.“

Hacken, Drohnen fliegen und Gegner ausschalten

Spielerisch knüpft „Watchdogs Legion“ an seine Vorgänger an. Ihr habt stets drei Möglichkeiten zur Auswahl, wie ihr bei euren Aufträgen vorgehen wollt. So könnt ihr sowohl aggressiv, lautlos oder alleine übers Hacking vorgehen. Je nachdem, was ihr für die beste Methode haltet, stürmt ihr mit der Waffe im Anschlag rein und ballert euch den Weg frei. Oder ihr geht den schleichenden Weg und schaltet eure Feinde lautlos aus. Oder ihr nutzt eure Gadgets, wie z. B. den ferngesteuerten Spinnen-Roboter, hackt euch ins Kamerasystem ein und löst Fallen aus, ohne euch selbst im Feindgebiet einer Gefahr auszusetzen.

Natürlich könnt ihr die Spielstile auch jederzeit kombinieren. Bei unserem Test haben wir aber gemerkt, dass sich eine Mischung aus Schleichen und Hacken am besten und flüssigsten spielen ließ. Schussgefechte sind jetzt zwar um einiges besser zu steuern als noch im Vorgänger, aber gerade wenn man mit dem Controller spielt, steuert sich das Fadenkreuz für unsere Verhältnisse doch ein wenig zu träge, um genau zielen zu können. Ein weiteres Manko ist, dass es keinen Unterschied beim Trefferfeedback und Rückstoß gibt — so ist es egal, ob man mit einer Schrotflinte oder einer schallgedämpften Pistole schießt.

Auch bei der Steuerung gibt es ein paar Kleinigkeiten, die die Fortbewegung nicht zur Open World-Oberklasse zählen lassen. So können wir uns wie in „Assassins Creed“ per Tastendruck über Hindernisse hechten oder an Vorsprüngen hochhangeln. Jedoch ist das nicht so elegant wie in „AC“. Wir hechten dabei gerne mal zu weit oder stolpern ein wenig daher. Auch beim Autofahren sind uns ein paar Dinge aufgefallen. Die normalen Autos fühlen sich an, als würde man einen Kleinlaster fahren und die Sportwagen fahren sich, als würde man auf Seife über die Straße schlittern. Das wird einem besonders bewusst, wenn man mitten in einer Verfolgungsjagd mit Albion steckt und machen diese auch zu einer echten Geduldsprobe.

Maus und Tastatur oder Controller?

Eine eindeutige Empfehlung möchte und werde ich hier nicht aussprechen, denn beide Steuerungsarten haben sowohl Vor- als auch Nachteile, die jeder für sich selbst abwägen muss.

Controller:

  • Schneller und komfortabler Wechsel zwischen den Hacking-Tasten, Umgebungsping für Interaktionsmöglichkeiten, Fähigkeiten und mehr.
  • Fahrzeuge lassen sich besser steuern. So lässt sich z.B. die Geschwindigkeit über die Trigger angenehmer regulieren.
  • Beim Schießen fühlt sich das Fadenkreuz sehr träge an und ist doch eher mühsam.

Maus und Tastatur:

  • Die Maus- und Tastatursteuerung fühlt sich am Anfang recht überladen an. Es gibt viele Tasten, die für die unterschiedlichen Fähigkeiten, das Hacken, Scannen und so weiter gebraucht werden.
  • Tasten sind neu belegbar.
  • Das Schießen funktioniert wie erwartet am besten, weil ihr durch die Maussteuerung präziser zielen könnt.

Schweizer Taschenheld

Die oben genannten Mängel fallen beim Spielen aber kaum ins Gewicht. Das liegt vor allem an der großen Neuerung von „Watch Dogs Legion“, denn ihr könnt jeden Passanten in der Spielwelt rekrutieren und zu einem Mitglied der Dedsec machen. Die Rekruten bringen dabei mit ihren Gadgets und Fähigkeiten so viel Abwechselung ins Spiel, dass sie das Open World-Gameplay auf eine völlig neue Ebene hieven.

Wenn ihr in der Spielwelt unterwegs seid, könnt ihr euch per Tastendruck die Profile der Passanten anschauen. Diese zeigen euch dann unterschiedliche Fähigkeiten und Gadgets an. So könnt ihr zum Beispiel jemanden finden, der verbesserte Hackerfähigkeiten hat, wie z. B. Schlüsseldieb. Schlüsseldieb erlaubt es euch nämlich, einfacher und aus größerer Reichweite elektronische Schlüssel zu hacken und einen Datenclon zu erstellen, mit dem ihr z. B. ungesehen in ein Gebäude schleichen oder auch Gefangene aus ihren Zellen befreien könnt.

Wenn ihr einen geeigneten Kandidaten gefunden habt, könnt ihr ihn – sofern er nicht Dedsec hasst – nach dem Abschluss einer kleinen Rekrutierungsmission in den Reihen von Dedsec begrüßen. Sollte der Passant Dedsec abgeneigt sein, müsst ihr ihn erst hacken, um ihn dann rekrutieren zu können. Die Rekrutierungsmissionen sind aber ziemlich einfach gehalten. So müsst ihr Daten beschaffen oder löschen, jemanden hacken, ausschalten oder aber befreien.

Ihr habt somit eine breite Auswahl mit verschiedenen Charakteren, um zu experimentieren. Ihr könnt als Spion mit Tarnung und Lenkraketen durch die Stadt brettern, Fußball-Hooligans nehmen betrunken weniger Schaden und rufen Freunde zur Schlägerei hinzu. Menschliche Statuen stehen völlig still und lassen Feinde vorbeilaufen und Bauarbeiter fliegen mit ihren Cargo-Drohnen durch die Gegend und können sich durch ihre Berufsbekleidung unbehelligt auf Baustellen bewegen. Allein 15 Helden liefern euch eine große Bandbreite an Skills und ihr könnt bis zu 40 gleichzeitig rekrutieren. Das bedeutet natürlich auch, dass ihr ähnliche oder gleiche Fähigkeiten bei euren Helden finden könnt. Gerade Hacker haben da sehr große Überschneidungen. Zu den zahlreichen Skills kommen auch noch die Gadgets hinzu. Sobald sie in eurem Besitz sind, könnt ihr sie all euren Agenten geben. Neue und stärkere Varianten schaltet ihr über Technikpunkte frei, die es als Belohnungen für Missionen oder aber verstreut in der Welt gibt.

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