Endlich hat „X-Wing: Alliance“ einen würdigen Nachfolger bekommen. „Star Wars Squadrons“ ist genau das, was sich Fans seit vielen Jahren wünschen. Zum Verständnis: 1999 erschien „X-Wing: Alliance“ und war eins der herausragendsten Weltraumsimulationen im Star Wars-Universum. Das Spiel wird bis heute von seiner Community am Leben erhalten, mit Mods verschönert und aktiv gespielt. Das liegt zum einen daran, dass es einfach ein gutes Spiel ist. Zum anderen gab es aber auch bis jetzt keinen würdigen Nachfolger.

Die Betonung liegt auf „bis jetzt“, denn mit „Star Wars Squadrons“ tritt nun ein fantastisches Spiel das Erbe an. „Squadrons“ lässt euch endlich wieder Weltraum-Action im Tie-Fighter und X-Wing erleben. Ihr bekommt eine detaillierte Cockpit-Perspektive mit Systemanzeigen und Energieverteilungen. Ihr erlebt wieder schnelle Dogfights und kämpft gegen riesige Schlachtschiffe, die ihr Stück für Stück auseinandernehmen könnt. Wem das noch nicht realistisch genug ist, der kann das Ganze auch in VR erleben und steckt so noch tiefer im Kampfgeschehen drin.

„Star Wars Squadrons“ hat eine Einzelspieler-Kampagne und einen kompetitiven Multiplayer zu bieten. Es gibt keine Mikrotransactions, keine Lootboxen, kein kostenpflichtiges DLC. Das klingt fast zu schön, um wahr zu sein, zumal das Spiel von EA ist – das soll natürlich keineswegs abwerten klingen. Electronic Arts hatte mit „Star Wars Jedi Fallen Order“ bereits gezeigt, dass sie gute Einzelspieler-Kampagnen entwickeln können und das ist ihnen im Falle von „Star Wars Squadrons“ erneut gelungen.

Moralischer Konflikt: Ihr fliegt für Rebellen und Imperium

Zunächst zum Setting: Der Imperator ist besiegt, der zweite Todesstern wurde vernichtet und die restlichen Moffs des Imperiums sind untereinander so zerstritten, dass sie nach und nach immer mehr Territorien an die Neue Republik verlieren. Die Opfer auf beiden Seiten sind zahlreich, sodass beide Parteien auf Rache sinnen. Und da kommt ihr als Spieler ins Spiel, denn ihr kämpft in „Squadrons“ abwechselnd auf Seiten des Imperiums und der Rebellen.

Als Spieler erstellt ihr euch auf beiden Seiten einen Piloten und fliegt Missionen in den Geschwadern. Eure moralische Verpflichtung wird durch diesen Fakt auf eine harte Probe gestellt und ein Gut gegen Böse ist nicht klar erkennbar. In „Star Wars Squadrons“ erlebt ihr eine richtig umfangreiche Story, die durch die zahlreichen super vertonten Dialoge (auch auf Deutsch) und Zwischensequenzen erzählt wird. Insgesamt erwarten euch 14 Missionen, die jeweils 20 bis 30 Minuten dauern.

Die Missionen gestalten sich sehr abwechslungsreich. Mal jagt ihr im Tie-Fighter oder X-Wing gegnerische Jäger, dann fliegt ihr Eskorte im Tie-Interceptor oder A-Wing und jagt gegnerische Bomber, die eurem Großkampfschiff gefährlich werden könnten. Mit dem neuen U-Wing oder seinem Pendant, dem Tie-Reaper, unterstützt ihr eure Staffel. So könnt ihr verbündete Schiffe mit Schutzschilden versorgen, Minenfelder anlegen oder Gegner mit euren Ionenkanonen außer Gefecht setzen. Zu guter Letzt habt ihr dann auch die Chance, Großkampfschiffe selbst zu bombardieren. Dazu greift ihr auf Seiten der Rebellen auf den Y-Wing und auf Seiten des Imperiums auf den Tie-Bomber zurück.

Balancing anders als gewohnt

Die Schiffe fühlen sich alle sehr unterschiedlich und einzigartig an. Sie lassen sich sehr gut steuern, egal ob ihr mit HOTAS, Gamepad oder sogar mit der Maus und Tastatur spielt. Veteranen müssen sich aber ein wenig an das neue Balancing gewöhnen.

Besonders auffällig wird dies im Falle des Tie-Fighters. Wo der in den klassischen Spielen bei einem Volltreffer wie eine überreife Melone geplatzt ist, kann er in „Squadrons“ ordentlich was einstecken und ist zusätzlich noch mit einer Reparaturfähigkeit ausgerüstet. Die anderen Jäger spielen sich aber zumindest in ihrem Handling wie gewohnt. Beispielsweise sind der A-Wing und der Tie-Interceptor weiterhin sehr wendig und rasend schnell, schalten gegnerische Jäger aber nun noch effektiver aus als je zuvor.

Gerade die leichten Abfangjäger profitieren von der neuen Boost- and Slide-Mechanik. Ihr könnt in „Squadrons“ nämlich eure gesamte Energieversorgung steuern, sodass ihr eure Triebwerke kurzzeitig overpowern könnt. Mit diesem zusätzlichen Schub könnt ihr euch bei Bedarf rasend schnell um 180 Grad drehen. Dieses neue Manöver eignet sich super, um Verfolger zu Gejagten zu machen.

Tie-Bomber und Y-Wing lassen sich jetzt auch anders steuern und sind nicht mehr nur träge Raketenplattformen, die nur als Großkampfschiffbrecher dienen. So könnt ihr jetzt auch einem halben Dutzend feindlicher Ziele die Hölle auf Erden bereiten, indem ihr sie gleichzeitig mit Raketen beschießt. Zur Verteidigung kann der Tie-Bomber mit Notfallschilden ausgerüstet werden, das macht ihn bei Frontalangriffen fast unverwundbar. Der Y-Wing kann mit einem zusätzlichen automatischen Ionengeschütz ausgerüstet werden. Das heißt, die Schiffe haben extreme Feuerkraft und machen mir persönlich überraschend viel Spaß.

Während der Missionen bekommt ihr zum Teil die Schiffe vorgegeben, doch oft könnt ihr euren Jäger selbst aussuchen und passt damit auch eure Rolle im Kampf entsprechend an. Auch bei der Ausstattung eures Schiffes seid ihr nicht auf den Standard begrenzt. So habt ihr die Auswahl zwischen verschiedenen Raketen, Triebwerken, Gegenmaßnahmen, Waffen und mehr.

Ihr müsst euch entscheiden: Soll es der klassische Laser sein oder doch lieber der modifizierte, der stärker austeilt, aber mehr Energie verbraucht? Piloten, die zum Beispiel nicht so gut zielen können, verwenden vielleicht lieber Waffen mit eingebauter Zielhilfe, um den Gegner häufiger zu treffen, müssen dafür aber einen Schadens-Malus hinnehmen. Für jeden Spielstil lässt sich so etwas finden.

Squadrons in VR – nur eine dünne Scheibe trennt dich vom Weltraum

Ein absolut atemberaubendes Erlebnis war es, „Star Wars Squadrons“ in VR zu spielen. Solltet ihr die nötige Hardware haben, empfehlen wir euch, es einmal selbst auszuprobieren. Wir haben es mit der HTC VIVE Pro (aktuelle Version) gespielt. Die Cockpits sind wahnsinnig detailliert und wirken in VR unglaublich plastisch. Man hatte wirklich das Gefühl, dass einen nur diese dünnen Scheiben vom kalten Weltraum trennen.

Spieltechnisch hat man mit VR einen kleinen Vorteil, denn ihr könnt mit der Brille eure Gegner besser folgen. Ohne VR sind wir zum Teil nur dem Pfeil am Bildschirmrand gefolgt, um unseren Kontrahenten wiederzufinden. In der virtuellen Realität habt ihr eine bessere Übersicht und könnt ein wenig schneller reagieren. Das einzige Manko war, dass wir die Hände leider nicht selbst steuern konnten und so mit Gamepad oder Tastatur vorliebnehmen mussten.

Multiplayer in zwei spannenden Modi

Wer Lust hat, sich statt mit der KI mit anderen Spielern zu bekämpfen, hat dafür zwei Spielmodi zur Auswahl. So könnt ihr beispielsweise schnelle Dogfights in zwei Teams zu je fünf Piloten ausfechten (übrigens wahlweise auch gegen Bots).

Das bedeutet dann Rebellen gegen Imperium und wer zuerst 30 Abschüsse gelandet hat, gewinnt. Das ist genauso simpel wie es klingt, taktische Tiefe bekommt das Ganze aber durch die unterschiedlichen Schiffe und deren Eigenschafften. In unserem Multiplayertest haben wir dann auch schnell gemerkt, dass eine gute Mischung von Schiffen in der Staffel sehr wichtig ist. In unserer ersten Session sind wir mit drei Tie-Interceptor und jeweils einem Tie-Fighter und Tie-Bomber angetreten und wurden von den Rebellen, die ein ausgeglichenes Team mit allen Schiffstypen hatten, vernichtend mit 9-30 geschlagen.

Ein ausgeglichenes Team zu haben, ist auch für den zweiten Spielmodus sehr wichtig, denn hier kämpft ihr in Flottenkämpfen auch gegen Großkampfschiffe. In diesem Modus tretet ihr auch wieder fünf gegen fünf an, müsst aber diesmal die gegnerische Flotte und ihre Großkampfschiffe vernichten. Dieser Modus setzt aber auch auf KI. So kämpft ihr gegen computergesteuerte Fregatten und KI-Jäger und müsst euch noch gegen eure fünf menschlichen Widersacher wehren. Das war eine ganze Weile recht spaßig, aber man hat sich leider auch schnell satt gesehen. Auch die frei spielbaren kosmetischen Belohnungen, wie neue Klamotten oder neue Anstriche für unseren Sternenjäger, haben uns nicht so lange motiviert.

Technisch lief der Multiplayertest aber einwandfrei. Bei den Flottenkämpfen greift zudem ein Skill-basiertes Matchmaking, das versucht, euch mit Spielern auf eurer Fähigkeitsstufe zu verbinden. Auch das Gruppen-Matchmaking funktioniert so und versucht euch dann mit anderen Spielergruppen zu verbinden. Meiner Meinung nach funktioniert das auch recht gut und es war durchaus motivierend, ebenbürtige Gegner zu bekommen und nicht absolute Noobs wegzuputzen. Möglich ist das auch dank des Crossplays. So könnt ihr als PC-Spieler auch gegen Konsolenspieler fliegen. Wer das nicht möchte, der kann diese Funktion auch deaktivieren.

Fazit der Redaktion

Der Hype hat für mich begonnen, als „Star Wars Squadrons“ erstmals vorgestellt wurde. Ich habe jedes Fitzelchen an Informationen seitens der Entwickler wie ein Staubsauger aufgesogen und ich muss sagen, meine Erwartungen sind nicht enttäuscht worden. Als ich das erste Mal am Steuer eines Tie-Fighters saß und im Namen des Imperiums Rebellenabschaum jagen durfte, bekam ich Flashbacks zu den Zeiten, als mein Cousin mich damals mit gerade einmal zehn Jahren „X Wing Alliance“ hat spielen lassen.

Seit dieser Zeit vor 21 Jahren bin ich ein absoluter Fan dieses Genres. Umso mehr hat es mich gefreut, dass mit „Star Wars Squadrons“ ein Nachfolger erschienen ist, der zwar nicht den Umfang wie ein „X Wing Alliance“ mit sich bringt (wahrscheinlich auch dank der Community, die das 21 Jahre alte Spiel immer noch mit Mods versorgt), aber zumindest würdig die Nachfolge antritt.

Was mich vor allem überzeugt hat, ist die Single-Player-Kampagne. Natürlich könnte man da sagen, dass der Anfang schon echt lahm ist und es für meinen Geschmack auch zu viele Pausen für die Erklärungen gab, aber wenn es dann losgeht, spielt es sich genau so, wie ich es erwartet habe. Mein Highlight war dann das neue Powerslide-Manöver. Es hat sich dank VR angefühlt, als ob ich im Nissan Silvia S15 (Mona Lisa aus Tokyo Drift) zum ersten Mal einen Drift hingelegt hätte.

Insgesamt ist es ein tolles Spiel. Insbesondere der Singleplayer-Modus hat mich überzeugt und auch der Multiplayer hat durchaus seinen Reiz und mit den neuen Updates dürfte dieser durchaus noch ein wenig mehr Spaß machen.

Wertung für den PC

Präsentation20 / 20
  • Super inszenierte Raumschlachten
  • Tolle Zwischensequenzen
  • Sehr gute Sprecher
  • Sehr detaillierte und beeindruckende Schlachtschiffe
  • In VR überwältigend
    Gerade durch die gut inszenierten Raumschlachten kommt man sich wie ein echter Tie-Pilot vor. Man hat das Gefühl (auch durch VR), dass man selbst Teil dieser bedeutenden Schlacht zwischen Rebellen und Imperium ist.

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    Spieledesign16 / 20
    • Gute Steuerung mit jeder Peripherie
    • Abwechslungsreiches Missionsdesign
    • Einzigartige Spielweise der Schiffe
    • In VR leider nur mit Controller oder Tastatur spielbar
    Einziges Manko, weshalb es auch den Punktabzug gegeben hat, ist, dass man im VR-Modus die Schiffe nicht mit den eigenen Händen steuern kann. Leider muss man auf den Controller oder die Tastatur zurückgreifen.

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    Balance20 / 20
    • Vier verschiedene Schwierigkeitsgrade
    • Reduzierbares HUD für ein besseres Simulationsfeeling
    • Faires, aufeinander abgestimmtes Schiffs-Balancing (Multiplayer)
    • Faire Checkpoints
    • Intelligentes Matchmaking
      Das Balancing in allen Bereichen ist hervorragend. Besonders das intelligente Matchmaking funktioniert einwandfrei. Begeistert hat mich auch das reduzierte HUD. So war das Spiel noch immersiver.

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      Story20 / 20
      • Interessante Charaktere
      • Gut erzähltes Szenario mit zwei Perspektiven
      • Star Wars-Flair
      • Gutes Storytelling
      • Stimmige Geschichtsabläufe
        Tolle Geschichte mit interessanten Charakteren, mit denen man sich auch identifizieren kann. Die Figuren sind kein belangloses Kanonenfutter-Material, das man nach der Mission vergessen kann oder gegen ein weiteren X-beliebigen ausgetauscht hat.

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        Umfang12 / 20
        • Kampagne ist nicht nur Vorbereitung auf den Multiplayer
        • Interessante, freischaltbare Belohnungen
        • Verschiedene Modifikationen für die Schiffe
        • Nur zwei Multiplayer-Modi
        • Nur wenig Auswahl an Schiffen (insgesamt nur vier Schiffe pro Seite)
        Hier erhält „Star Wars Squadrons“ den meisten Punktabzug, denn gerade der Umfang ist doch recht überschaubar.

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